Alois Grichting im Walliser Bote vom 16. Februar 2008
«Wier hei Miisch...»
Melodramatisches Ganzes von grosser Eindringlichkeit
Franziskus Abgottspon hat für seine Rezitation aus der schriftdeutschen und mundartlichen Literatur des Oberwallis eine interessante und vielfältige Auswahl getroffen. (…) Zwischen und zu diesen Texten erklangen auf der Gitarre und auf einer fortentwickelten Barocklaute (Liuto forte) Originalkompositionen von Mauro Giuliani, Napoleon Coste, Johann Caspar Mertz, bearbeitete Melodien unserer Volkslieder usw. Die Kombination der beiden Gattungen gesprochenes Wort und Musik ergaben nun ein bei uns bisher wenig gehörtes melodramatisches Ganzes von grosser Eindringlichkeit. Franziskus Abgottspon verfügt nicht nur über eine vollkommene Sprechtechnik. Er hat die Gabe, die Texte nach Belieben zu betonen, ironisch zu verfremden, in ihrem Ernst wieder heraufzuholen, ja manche sogar über ihre Qualität zu überhöhen und so dem Hörer als etwas Neues bedeutsam zu machen. (…)
Die musikalische Begleitung der Gedichte und Prosatexte und auch die eingestreuten solistischen Musikvorträge gaben diesem kulturellen Abendanlass eine zweite Dimension Sie bildeten in erstaunlich präziser Abstimmung mit dem Wort einen akustischen Grund, auf dem die Texte wirken und leuchten konnten und das Publikum bewusst oder unbewusst mitzogen. (…)
Christian Hostettler ist ein begnadeter Musiker, der das Spiel seiner sehr diskret wirkenden Instrumente virtuos, mit grosser Einfühlungsgabe und Fantasie beherrscht. (…) Der Abend liess unsere heimatlichen Kulturgüter Literatur und Musik in einem neuartigen und intensiven Licht, in all ihrer Poesie, aber auch in den Ausprägungen so verschiedener Autoren und manchmal auch in ihrer Fragwürdigkeit erscheinen.
